Informationen für Patienten: Inkontinenz

 

 

Blasenschwäche / Inkontinenz

Definition
Mit dem Begriff "Inkontinenz" bezeichnet man das Unvermögen, Urin oder auch Stuhlgang bewusst und kontrolliert zurückzuhalten. Die weitaus häufigere Form der Inkontinenz ist der unfreiwillige Abgang von Urin, auch Harninkontinenz oder Blasenschwäche genannt. Die Harninkontinenz ist kein seltenes Leiden. Viele ältere Menschen, vor allem Frauen, sind betroffen. Es gibt verschiedene Formen der Harninkontinenz, bei denen sich die Beschwerden voneinander unterscheiden. Den unterschiedlichen Formen der Harninkontinenz ist gemeinsam, dass sie für die Betroffenen nicht nur ein medizinisches Problem, sondern auch eine erhebliche seelische Belastung darstellen. Viele Betroffene schämen sich, darüber zu sprechen, selbst beim Arzt. Sie haben Angst, dass andere "etwas riechen" und ziehen sich von Bekannten und Freunden zurück.

Das muss jedoch nicht sein: Heute gibt eine Reihe von Behandlungsmethoden und unterstützenden Maßnahmen, die das körperliche Wohlbefinden und die Lebensqualität deutlich verbessern können.

Symptome
Inkontinenz hat bei Frauen und Männern unterschiedliche Gründe und kann in unterschiedlicher Ausprägung vorliegen. Dabei werden folgende Formen unterschieden:

Diagnose
Meist kann der Arzt die Diagnose schon anhand der geschilderten Beschwerden stellen. Deshalb ist es wichtig, dem Arzt genau und ohne Scheu zu berichten, bei welchen Gelegenheiten und wie stark der Harnverlust auftritt.
Zur Abklärung der Harninkontinenz werden verschiedene urodynamische Messungen durchgeführt. Dabei wird die Harnblase zum Beispiel mit angewärmter Kochsalzlösung gefüllt und die anschliessende Blasenentleerung messtechnisch untersucht. Eine neuere Variante ist die Videourodynamik, bei der die Blase mit Röntgenkontrastmittel statt mit Kochsalzlösung gefüllt wird. Während der Messungen können noch Röntgenuntersuchungen der Harnblase durchgeführt und auf Video gespeichert werden. Eine weitere Untersuchung ist die Messung des Harnröhren-Druckprofils, bei der Länge und Verschlussdruck der Harnröhre gemessen werden. Vor allem bei Frauen, die mehrere Kinder geboren haben, tritt bei erniedrigtem Verschlussdruck eine Belastungsinkontinenz auf.
Zusätzlich wird der Arzt abklären, ob ein Harnwegsinfekt, eventuell auch eine Entzündung des oberen Harntraktes vorliegt, und, wenn notwendig, die Nierenfunktion untersuchen.

Laborwerte
Bei Verdacht auf einen Harnwegsinfekt wird der Urin auf Bakterien und entzündungstypische Zellen untersucht. Zur Kontrolle der Nierenfunktion kann der Urin auf bestimmte Proteine und das Blut auf die Konzentration von Kreatinin und Harnstoff untersucht werden.

Risikofaktoren
So wie es bei Frauen und Männern verschiedene Ursachen und Ausprägungen der Inkontinenz gibt, gibt es auch geschlechtstypische Risikofaktoren. Die häufigsten Ursachen sind

bei Frauen:

Behandlung
Heute gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die verschiedenen Formen der Harninkontinenz zu behandeln und sowohl das körperliche als auch das seelische Wohlbefinden der Betroffenen zu verbessern. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören

bei Belastungsinkontinenz:

bei Dranginkontinenz:

bei Überlaufinkontinenz:

Meist braucht es mehrere Wochen bis Monate, bis vor allem die konservativen Behandlungsarten die Beschwerden mindern. Hygiene-Hilfsmittel können in dieser Zeit das Wohlbefinden spürbar bessern. Dazu gehören verschiedene Formen von saugstarken Einlagen und Vorlagen, Windelslips, Tropfenfänger für Männer und inkontinenzgeeignete Unterwäsche.

Medikamente
Zur Behandlung der Harninkontinenz stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:

Lebensstil/Vorbeugen
Durch einige einfache Übungen und Maßnahmen kann einer Harninkontinenz entgegen gewirkt werden. Wichtig ist, dass diese Maßnahmen regelmäßig und über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden. Was Sie tun können:

Frauen

Männer

Allgemein

Komplementärmedizin
Bei Beschwerden, die durch eine Harninkontinenz hervorgerufen werden, können alternative Heilverfahren unter Umständen unterstützend wirken, z.B.

Begriffserläuterung:
Harnstoff: Endprodukt des Eiweissstoffwechsels, das mit dem Harn ausgeschieden wird
Katheter: Röhrchen aus Kunststoff. Der Katheter wird in Körperhöhlen, z. B. in die Harnblase, zum Zweck der Entleerung, aber auch zur Untersuchung oder Spülung eingeführt.
Konservatives Verfahren: Behandlungsmethode, bei der nicht operiert wird.
Kontinenz: Fähigkeit, etwas zurückzuhalten. Als Harnkontinenz bezeichnet man die Fähigkeit der Harnblase, den Urin zurückzuhalten.
Kreatinin: Stoffwechselprodukt, dass im Muskelgewebe gebildet und mit dem Harn ausgeschieden wird.
Miktion: Harnlassen
Protein: Eiweiss

zum Anfang   zur Übersicht   zur Homepage