Mamma - / Brustchirurgie

 

 

Anmerkung:

Das Disease Management Program (Brustzentrum-DMP) meiner Praxisklinik (Tagesklinik) besteht aus mehreren Radiologen, Pathologen, Onkologen, Hämotologen, Internisten und prakt. Ärzten sowie drei Operateuren.
Insbesondere bei der Fragestellung eines möglicherweise nicht gutartigen Gewebebefundes erfolgt, sowohl vor der Operation, - als auch insbesondere nach Vorliegen des Befundes, - eine konsiliarische Beratung und Diskussion zwischen allen beteiligten Fachdisziplinen.
Hierbei wird präoperativ das intraoperative Vorgehen festgelegt, - sowie postoperativ das weitere therapeutische Verfahren !

Selbstverständlich ist jeweils die betroffene Patientin in diese Verfahrenstechniken einbezogen.

Bei allen operativen Eingriffen an der weiblichen Brust erfolgt selbstverständlich intraoperativ eine feingewebliche Schnellschnittuntersuchung ( Hiestologie ), aus deren Ergebnis ggf. weitere operative sofortige Schritte abgeleitet werden können. Die mögliche Größenordnung dieser Schritte, wird vorher mit der Patientin besprochen und festgelegt, - es erfolgt also nicht eine "Blankounterschrift" der Patientin vor der Operation!
Ebenso muss die Patientin nicht tagelang auf das Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung warten, sondern ist direkt nach Aufwachen aus der Narkose über den Befund informiert!

Bei positivem feingeweblichen Untersuchungsbefund ( gleich Brustkrebs ) erfolgt in jedem Falle eine Absicherung des so genannten Lymphknotenstatus in der Achselhöhle. Hier findet, - in Abhängigkeit von dem Stadium des Ausgangsbefundes, - die moderne Technik (s.u.) der so genannten "Wächter - Lymphknoten"- Diagnostik ihre Anwendung. Es wird i.d.R. nur dieser so genannte "Sentinel - Node" mit der umliegenden Lymphknotengruppe (Wächter Knoten Gruppe = Sentinel Group) entfernt. Wenn diese negativ ist, erfolgt keine weitere Entfernung der anderen Lymphgruppen, - wodurch die häufig auftretende Komplikation des Lymphödems des betroffenen Armes, sowie der entsprechenden Nervenausfallserscheinung und Bewegungseinschränkungen des betroffenen Schultergelenkes sicher vermieden werden können!

Entsprechend der heute zur Verfügung stehenden modernen Theraphiemöglichkeiten, ist auch bei positivem Befund ( Brustkrebs in Abhängigkeit vom Stadium ) in der überwiegenden Anzahl der Fälle eine ambulante Durchführung der nachfolgenden onkologischen Therapie möglich!
Auf Wunsch wird die Patientin ebenfalls in den derzeit im Bereich Düsseldorf und Umgebung vorhandenen Möglichkeiten der Selbsthilfegruppen, etc. eingeführt!

 

 

Ärzte Zeitung, 21.02.2003

Sentinel-Nodektomie schont Frauen mit Brustkrebs

Entfernung von ein oder zwei Wächterlymphknoten aus der Axilla genügt, um Lymphknotenstatus zu beurteilen

Von Ingrid Kreutz

Wenn Frauen nach einer Brustkrebs-Operation einen dicken Arm bekommen oder ihre Wäsche nicht mehr bügeln können, weil die Armbeweglichkeit eingeschränkt ist, dann ist das meist auf Komplikationen wie Nervenschädigungen oder ein Lymphödem zurückzuführen. Bis zu 20 Prozent aller Patientinnen, die wegen eines Mamma-Ca operiert werden, bekommen ein Lymphödem, wie Dr. Volker Maaßen vom Brustzentrum Hamburg-Süd am Allgemeinen Krankenhaus Harburg zur "Ärzte Zeitung" gesagt hat. Entschärfen läßt sich diese Problematik jedoch durch ein schonendes Operationsverfahren: die Sentinel-Nodektomie.

Lymphknotenstatus gilt als wichtiger Prognosefaktor

Bei dieser Methode werden lediglich ein oder zwei Wächterlymphknoten, also die dem Tumor am nächsten gelegenen Lymphknoten, aus der Axilla entfernt, um den Lymphknotenstatus zu beurteilen. Jener gilt als wichtiger Prognosefaktor und richtungsweisend für die Therapie: Sind auch Lymphknoten von Krebszellen befallen, wird aggressiver medikamentös behandelt als bei tumorfreien Knoten. Außerdem erhoffen sich die Onkologen von der Lymphonodektomie selbst einen therapeutischen Nutzen.

"Mit der Sentinel-Nodektomie können wir den Lymphknotenstatus ebenso sicher, aber wesentlich weniger traumatisierend bestimmen wie mit der klassischen Lymphonodektomie", so Maaßen. Der Hamburger Gynäkologe hat mit seinem Team bei mehr als 100 Frauen eine SentinelNodektomie vorgenommen, und zwar ausschließlich nachradioaktiver Markierung durch Lymphabflußszintigraphie. Danach wurde zur Kontrolle eine klassische Lymphonodektomie gemacht, das heißt es wurden mindestens zehn Lymphknoten entfernt. Diese Methode ist der derzeitige Standard.

Ergebnis: Bei mehr als 90 Prozent der Patientinnen konnten die Wächterlymphknoten identifiziert und beurteilt werden. Und bei mehr als 95 Prozent der Frauen deckten sich die Befunde der Sentinel-Nodektomie mit denen des Standardverfahrens. Maaßen: "Lediglich bei zwei Patientinnen ergab die Untersuchung der Wächterlymphknoten einen negativen Befund, die klassische Methode hingegen ein positives Ergebnis. Aber das passierte in der Anfangsphase."

Aufgrund dieses insgesamt guten Ergebnisses bieten die Hamburger Gynäkologen ihren Brustkrebs-Patientinnen nun auf Wunsch auch die alleinige Sentinel-Nodektomie an.

Minimal-invasive Technik nicht für alle Frauen geeignet

Das minimal-invasive Verfahren eignet sich aber nicht für alle Patientinnen. Es kommen hierfür nur Frauen in Frage, deren Tumor unter drei Zentimeter Durchmesser hat und bei denen die Lymphknoten in der Achselhöhle noch nicht tastbar sind. Der Grund: Hier besteht die Gefahr, daß die Lymphbahnen bereits durch Tumorzellen verstopft sind und dann funktioniert die Szintigraphie zur Darstellung der Wächterlymphknoten nicht. Problematisch ist die Methode nach Angaben von Maaßen möglicherweise auch bei Frauen mit infiltrierenden lobulären Karzinomen, weil hierbei die relativ kleinen Tumorzellen im Schnellschnitt schwierig von den Lymphzellen zu unterscheiden sind. "Ich denke, daß die Sentinel-Nodektomie derzeit für mehr als die Hälfte der Brustkrebs-Patientinnen geeignet ist, und es werden künftig wohl noch mehr werden, da immer mehr Mamma-Karzinome früh diagnostiziert werden", so Maaßen.

In Deutschland wird die Sentinel-Nodektomie bisher nur zögerlich eingesetzt. Viele Gynäkologen möchten erst die Ergebnisse von KISS (Klinische Interdisziplinäre Sentinel-Studie) abwarten. In dieser Studie wird nicht nur randomisiert untersucht, ob die minimal-invasive Technik der klassischen ebenbürtig ist, sondern es wird auch der Einfluß beider Verfahren auf die Mortalität geprüft. Resultate werden aber erst in zehn bis 15 Jahren vorliegen. "Es ist fraglich, ob wir unseren Patientinnen die klassische Lymphonodektomie noch so lange zumuten können", meint Maaßen. Die Äquivalenz beider Methoden stehe ja bereits fest. Er warnte jedoch davor, die Sentinel-Nodektomie ohne ausreichende Erfahrung anzuwenden. "Jeder, der es macht, sollte mindestens 50mal bewiesen haben, daß in seinem Haus die Äquivalenz des mininmal-invsiven und des radikaleren Vorgehens gegeben ist. Die Rate falsch-negativer Befunde sollte unter fünf Prozent liegen."

STICHWORT

Sentinel-Nodektomie

Das Konzept des Wächterlymphknotens beruht darauf, daß ein primär lymphogen metastasierender Tumor zunächst zum ersten (Sentinel-) Lymphknoten im Abstromgebiet drainiert. Er wird daher stellvertretend für alle anderen Lymphknoten untersucht. Ist der Wächterlymphknoten von Krebszellen befallen, gilt der betreffende Patient als lymphknoten-positiv. Präoperativ wird eine Lymphabflußszintigraphie vorgenommen und intraoperativ eine Gammasondenmessung, um die Wächterlymphknoten exakt identifizieren zu können. Die zusätzliche Verwendung von Farbstoffen, zum Beispiel Patentblau, kann die intraoperative Auffindung der Lymphknoten erleichtern. Die alleinige Verwendung von Farbstoffen ist wegen der höheren Rate an falsch-negativen Befunden jedoch kein Ersatz für die nuklearmedizinische Technik. (ikr)


 

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